SCHREI
Fühlst Du die Schreie ?
Spürst Du die Furcht ?
Was in Dir dämmert,
hälst Du versteckt vor dem Bewußtsein
Nichts dringt an die Oberfläche,
was Du im Vergessen ertränkt hast
Dein Blut ist unrein
Du hast gesündigt und flehst nach Deiner Strafe
Das Warten auf den Ausbruch
Deiner verbannten Frevel
Ist die Ungewißheit nicht die schwerste Vergeltung ?
Wird Deine Übeltat eines Tages gesühnt sein ?
Eine Absolution, die nur Du selbst Dir geben kannst
Du lebst immerfort mit Deiner Schuld,
unterdessen Du Menschen zerstört hast
Dein Leben als Buße, die Du Dir auferlegt hast,
um Deine falschen Entscheidungen zu beizulegen
Ein in Blut getränktes Samtband
knebelt Deine Täuschungen
Sie berühren Dich, wenn Du allein bist,
sobald Du Tränen in die Nacht vergießt
oder aus Furcht vor der Stille nicht einschlafen kannst
Mitleidige Blicke, die Dich verbrennen,
kaum daß sie auf Dich treffen
Ein quälender Optimismus,
der Dich keinen Schritt voranbringt
und eben doch nur Blendung ist
Kein Trost der Welt kann Deine brüchige Seele retten
Glühende Schnitte schneiden tief in Dein Fleisch
Hingegen betäuben sie die viel tiefer schmerzenden
und niemals heilenden Wunden
Am Ende des Schattens muß es eine Sonne geben
Einst genoß Du ihre Strahlen,
die Leben voll Unbeschwertheit in Dich hauchten
Wirst Du diese Nuance je wiederfinden ?
Werden Deine Schritte einmal einen Ort finden,
an dem Du wieder atmen kannst ?
Doch all Deine Versteinerung versteckst Du
hinter erstickendem Schweigen
Niemand sieht hinter Dein wortloses Gesicht-
sogar Du selbst nicht
Dann, wenn Du aus Verzweiflung schreist
und nicht weißt, ob Du das Morgen sehen möchtest,
hoffst Du, daß Dir jemals vergeben wird
Nadine Groitzsch