GEISTES FLUCHT
Die Stille durchschreitet meinen Raum
Sie tritt hinein und raubt mir meine Ruhe
Ich versuche, meine Augen zu schließen
Etwas hält den Schlaf so fern von mir
Die Dunkelheit ängstigt mich
Ich sehe nichts, ich höre nichts,
das mich ablenken könnte
Meine Gedanken fassen die Erinnerung
Nur mein Geist bleibt mir
Ich bin gezwungen in mich selbst zu blicken
Ich kenne die Freude darin,
weiß, wie mein Lachen klingt
Doch was beschützt mich vor dem Schmerz ?
Ich will das Leid nicht sehen,
das in mir begraben schlummert
Manch Worte brennen so tief
Sie schmerzen und verbleiben auf ewig in mir
Nie waren sie dazu bestimmt
Niemals hatten sie diese Bedeutung
und dennoch verrinnen sie nicht,
sondern zerstören immerfort
Wer trocknet meine Tränen ?
Meine Narben reißen auf,
wenn ich sie mit meinen Gedanken berühre
Ich möchte fliehen vor meinem Innersten
und finde keinen Ausweg aus dem Labyrinth
Ich schreie, um die Stille zu vertreiben
Meine Stimme scheint keinen Laut zu geben,
klingt, als wär sie nie gewesen
Alles verbleibt ruhig und dunkel
Ein Feuer frißt mich auf,
aber niemand sieht mich brennen
Stück für Stück weiche ich aus dieser Düsterkeit
und finde keinen Weg zurück ins Licht
Raumlos irre ich umher,
werde getrieben von einer Ungewißheit
und habe kein Zuhause mehr
Wer nimmt mich in den Arm bei Nacht ?
Immer kälter wird es um mich
Ich muß tiefer in meine Seele,
um nicht zu erfrieren
Den Alptraum kann ich nicht ertragen,
möchte taub und blind sein
Auf der Suche nach einem Sinn
bin ich in die Schlucht des Vergessens gestürzt
Wo ist der Mensch, für den es sich zu leben lohnt?
Nadine Groitzsch